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virtueller wertzuwachs

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in der "welt am sonntag" stand heute auf seite 58 - kultur | zeitgeist - diese luftig flockige kunstbetrachtung über ein geklautes renoir-gemälde im unteren 6-stelligen wert, das aus dem wiener auktionshaus "dorotheum" von drei ganz unbefangen daherkommenden tätern geklaut wurde.

der wiener "standard" schreibt: die täter hatten jedenfalls leichtes spiel. denn anders als in einem museum ist das sicherheitssystem (unter anderem videoüberwachung) auf ein praktikables maß reduziert. eine alarmsicherung aller gegenstände ist nicht möglich, da im alltagsbetrieb von dorotheums-mitarbeitern laufend bilder von der wand und objekte aus der vitrine genommen werden müssen. dass das trio den tatort zuvor ausspionierte, gilt mittlerweile als gesichert. 

über das motiv kann man derzeit nur spekulieren. die chance, das 1895 von renoir gemalte kleinformat (27 x 40 cm) trotz medialen getöses zu verkaufen, ist gering. aber nicht auszuschließen, denn im osten oder in china interessiere die herkunft keinen. 

für den schwarzmarkt dürfte es wiederum weniger geeignet sein, dazu ist der an der schätzung orientierte wert von 120.000 bis 160.000 uro eher zu gering. 

ob es sich also "um profis handeln" dürfte, wie ein polizeisprecher meint, sei mal dahingestellt, denn bei aller wahrscheinlichen ausspäherei zuvor, ließen sich die tatverdächtigen ziemlich klar und deutlich von überwachungskameras aufnehmen ...


fahndungsfotos der wiener polizei


und zudem ist die landschaftsstudie von einem typischen renoir-motiv zu weit entfernt, was auch nicht für profihafte kunstexperten-kenntnisse spricht.

das geklaute bild erinnert ja eher an eine arbeit, die in jedem vokshochschulkurs "ölmalerei für fortgeschrittene" oder an ein motiv in einem self-made-kurs-atelier auf einer nordseeinsel. es scheint eher einem flüchtigen und laienhaften kunstgeschmack zu entsprechen, denn ein noch kleinformatigeres viel typischeres renoir-bild mit dem titel "badende" ließen sie hängen, was dann im dorotheum für 442.200 uro (einschl. aufgeld) unter den hammer kam ...

und doch: es ist ein beispiel, wie der kunstmarkt plötzlich fast aus dem "nichts" ein motiv ins rampenlicht transportiert - wenn auch wie in diesem falle mit einer zweifelhaften intention. das relativ unbekannte einfache renoir-landschaftsmotiv mit einem schätzwert bis zu 160.000 uro und einem versicherungswert von 70.000 wird, wenn es wieder im "seriösen" kunsthandel auftauchen sollte - mit dieser vorgeschichte - bestimmt nicht mehr unter 250.000 uro zu bekommen sein.

und vielleicht ist so eine letztendliche steigerungsimmanente "marktanalyse" dann mit diesen gewinnaussichten das leitmotiv für den kunstraub und für ihre auftraggeber gewesen: the show must go on ...: ein spektakulärer spekulations-"mehr-wert" muss generiert werden, "koste es was es wolle" ...

ich habe hier unten auch mal virtuell ein motiv vom kahlen asten ganz pompös ausgestattet - aber da steht eben nur "sinedi" als signatur und nicht "renoir" - aber macht das nun den wert aus ...???


p.s.: du darfst dir dieses motiv jedenfalls in der auflösung, die dir deine geräte bieten, downloaden - und sooooo groß reproduzieren wie du möchtest ... - ich weiß nicht, ob du es dann beim "dorotheum" zur nächsten auktion einliefern darfst ...








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