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filmstill aus "holocaust" |
Viele begriffen die Shoah und die Nazi-"Euthanasie" erst durch diese Serie
- TV-Geschichte: Vor 40 Jahren bewegte das Schicksal der jüdischen Familie Weiss die Deutschen. Viele fanden über die US-Fernsehserie Zugang zu ihrer eigenen Geschichte.
- Ab Montag läuft die Wiederholung
Köln (epd). 40 Jahre nach der deutschen Erstausstrahlung zeigen drei dritte Programme der ARD erneut die US-amerikanische TVSerie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“.
Der erste der vier Teile läuft am kommenden Montag um 22 Uhr im NDR, SWR und WDR, wie der NDR am Donnerstag ankündigte. Die Erstausstrahlung von „Holocaust“ 1979 erreichte Einschaltquoten von bis zu 39 Prozent und gilt als Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte.
Die Ausstrahlung der Fernsehserie war 1979 nicht nur ein Medienereignis, sondern auch ein Wendepunkt in der deutschen Erinnerungskultur. Danach wurden Naziverbrechen und Massenmord an den europäischen Juden anders wahrgenommen.
Mit „Holocaust“ geriet Auschwitz ins kollektive Gedächtnis und der Begriff „Holocaust“ wurde Allgemeingut, bis heute.
Zuvor war die Serie im US-Fernsehen gelaufen, durchaus umstritten. Der jüdische Philosoph und Holocaust-Überlebende Eli Wiesel(1928-2016) fällte das Urteil, es handle sich um eine „Trivialisierung des Holocaust“.
Produziert wurde sie vom US-Sender NBC. Sie war eine Antwort auf den kommerziellen Erfolg der ABC-Serie „Roots“ über die Sklaverei in den USA.
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meryl streep spielt in der us-serie "holocaust" inga helms-weiss, die in den 1930er jahren einen juden heiratet. |
„Holocaust“ wurde in mehr als 30 Ländern ausgestrahlt und von weltweit 700 Millionen Zuschauern gesehen. Die deutsche Ausstrahlung verlief kompliziert: Die ARD konnte sich über eine Platzierung im Ersten nicht einigen, der Bayerische Rundfunk drohte mit Ausstieg. Man verständigte sich auf eine gemeinsame Ausstrahlung in allen Dritten Programmen, ein mediengeschichtliches Novum.
Der Erfolg war überwältigend. Die Zuschauerzahl stieg mit jeder Folge an. Am Ende hatte jeder zweite erwachsene Deutsche wenigstens einen Teil der Serie gesehen. Auch bei den mitternächtlichen Fernseh-Debatten im Anschluss an die Ausstrahlungen blieb die Zuschauerbeteiligung hoch. Die Telefonnetze der Sender brachen unter dem Ansturm der Anrufe zusammen.
- Über die Familien Weiss und Dorf fanden viele Deutsche erstmals Zugang zu den Grausamkeiten ihrer eigenen Geschichte, begannen Familien, ihre Biografien zu befragen.
´ Die „Holocaust“-Folgen 2 bis 4 sind am 14., 21. und 28. 1. jeweils um 23.15 Uhr zu sehen.
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Handlung und Hintergrund
Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss: Bahnbrechender und vielfach ausgezeichneter Mehrteiler mit Meryl Streep über die Leiden einer jüdischen Familie während des Zweiten Weltkriegs.
Im Berlin des Jahres 1935 feiert der jüdische Arzt Josef Weiss die Hochzeit seines Sohnes Karl mit der arischen Inga. Nach dem Erlass der Judengesetze muss Josef Deutschland verlassen, und Karl wird in das KZ Buchenwald gebracht. Nach einer brutalen Vergewaltigung wird die behinderte Anna Weiss im Rahmen des Euthanasieprogramms in der Gaskammer von Hadamar ermordet. Im Kontrast dazu macht der Jurist Erik Dorf als Protegé von Reinhard Heydrich Karriere im „Dritten Reich“.
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Wie "Holocaust" ins Fernsehen kam
Mittwoch, 16. Januar 2019, 23:50 bis 00:35 Uhr
Vor dem Hintergrund der Neuausstrahlung von "Holocaust" nach gut 40 Jahren erzählt die Filmemacherin Alice Agneskirchner die Geschichte dieses Fernsehereignisses, von der Entstehung und den Dreharbeiten über die Ausstrahlung bis hin zu den Reaktionen. Ein Making-of der besonderen Art.
1978/79 wird eine US-Serie zum weltweiten TV-Event: "Holocaust". Als sie nach Deutschland kommt und unter Federführung des WDR in den Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt wird, löst sie ein ungeahntes Echo aus. Das, was mit dem bis dahin unbekannten Wort Holocaust ausgedrückt wird, trifft viele Millionen Menschen dort, wo bisher die unfassbaren Schrecken der eigenen und kollektiven Vergangenheit nicht zugelassen worden waren: mitten ins Herz.
Opfer und Täter bekommen Gesichter
Die Serie schildert das Schicksal der fiktiven jüdischen Familie Weiss. Diese Familie durchlebt vor den Augen der Fernsehöffentlichkeit exemplarisch das, was Millionen Juden hatten erleiden müssen, bis zum Tod in der Gaskammer. Gleichzeitig begleitet die Serie den "normalen" Deutschen Erik Dorf bei seiner Transformation zum bekennenden und aktiven Nationalsozialisten. Das Grauen der Judenverfolgung wird hoch emotional inszeniert, Opfer und Täter bekommen Gesichter.
Eine vielfach ausgezeichnete Serie
Die Serie wurde vielfach als "Hollywood"-Produktion bezeichnet, produziert wurde sie allerdings von einer New Yorker Firma, gedreht wurde ausschließlich an Originalschauplätzen in Deutschland und Österreich, auch im KZ Mauthausen, einschließlich Hakenkreuz-Flaggen.
Der Regisseur Marvin J. Chomsky, der Produzent Robert Berger, Schauspielerinnen und Schauspieler erinnern sich an die besondere, oft beklemmende Atmosphäre der Dreharbeiten, an Begegnungen mit der historischen Wirklichkeit hinter der Fiktion, über die sie später kaum jemals wieder gesprochen haben.
Im Vorfeld gab es scharfe Debatten
Der ehemalige WDR-Fernsehspielchef Günter Rohrbach, der die Serie nach Deutschland brachte, schildert die ungewöhnlich scharfe Debatte im Vorfeld. Es war eine aufgeladene Situation, mit Drohungen und Schmähungen von rechts und links und zahlreichen Versuchen, die Ausstrahlung zu verhindern.
Die Reaktionen der Zuschauerinnen und Zuschauer übertrafen dann alle Erwartungen, und fast jeder, der damals "Holocaust" gesehen hat, kann sich heute noch daran erinnern, was das mit ihr oder ihm gemacht hat.
textmaterial: neue westfälische (epd) und ndr - text-bildmaterial: polyband medien gmbh
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... soweit also die offiziellen ankündigungen des diesmal ard-federführenden ndr zur neuausstrahlung der 4-teiligen serie "holocaust - die geschichte der familie weiss" ab kommender woche 4 x montags - zeitgleich in allen dritten programmen.
gerade in dieser zeit, in der immer mehr "holocaust-leugner" geoutet werden und auch von gerichten deswegen verurteilt werden - ist es wichtig, diese serie endlich im öffentlich-rechtlichen tv zu wiederholen - wenn auch - gerade für schüler*innen - meiner meinung nach zu viel zu später stunde ...
mit diesen späten sendeterminen jeweils will das öffentlich-rechtliche tv wohl junge zuschauer "schützen" - es fragt sich nur: wovor... (???) - auch kauf-cassetten und videos zu diesem film tragen den aufdruck "ab 12 jahren" - aber welche junge menschen ab 12 haben jeweils montagsnacht ab 22 bzw. 23.15 uhr die möglichkeit diese aufwühlenden folgen jeweils ca. 2 stunden lang zu verfolgen... - wenn man am morgen früh zur schule muss ??? ...
also - von der zeitplatzierung her ist die wieder-ausstrahlung der serie eine enttäuschung für mich: ich habe deshalb die schon seit geraumer zeit bei youtube eingestellten folgen hier unten verlinkt - und werde das auch auf meiner website tun - damit man - permanent 24/7 - nach eigenem gutdünken diese in jeder hinsicht wichtige serie wahrnehmen kann ...
eli wiesel hat zwar gemeckert über die seiner ansicht nach "trivialisierung" des tatsächlichen holocaust-geschehens in dieser serie - aber als eine heranführung (!) zum gesamtthema und als
diskussionsgrundlage taugt sie allemal - allerdings hat man damit den "vogelschiss", wie der afd-gauland ja diese epoche abtun will - längst noch nicht in all seinen nuancen erfasst ... - dazu bedarf es eben weiterer nachforschungen, recherchen, informationen und diskussionen - besonders auch in und über die eigenen familienzusammenhänge dazu - denn - so steht es schon in der bibel - die wirkungen solcher untaten als mitläufer, als täter oder opfer sind noch bis in die "dritte und vierte generation" danach spürbar - und kann auch unbewusstes verhalten so lange mit beeinflussen.
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gaulands "vogelschiss" |
neuere tiefenpsychologische und naturwissenschaftliche forschungen haben diese behauptung der bibel längst bestätigt ...
eine generation - so rechnet man gemeinhin - andauert ca. 30 jahre: 1945 war also offiziell der nazi-spuk vorbei - aber dann haben wir bis ca. 2065/70 noch mindestens damit zu tun - und als national-kollektives gedächtnis weit darüber hinaus ...
man kann also jetzt nicht etwa die "holocaust"-serie anschauen "un gutt is" - sie kann lediglich ein "opener" sein - eine sensibilisierungsmaßnahme... - eine wirkliche persönliche, familiäre, schulische und gesellschaftliche aufarbeitung muss weitergehen ...
man kann also jetzt nicht etwa die "holocaust"-serie anschauen "un gutt is" - sie kann lediglich ein "opener" sein - eine sensibilisierungsmaßnahme... - eine wirkliche persönliche, familiäre, schulische und gesellschaftliche aufarbeitung muss weitergehen ...
und genau das ist also für alle nachkommen so brandaktuell, dass schon deshalb der sendeplatz völlig daneben liegt ...
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die komplette tv-serie, wie sie bei youtube eingestellt ist - zur (permanenten) 24/7-wahrnehmung :
(und hinterher kann niemand sagen - sie/er habe davon nichts gewusst - und von wegen "vogelschiss")