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schuster bleib bei deinen leisten

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von nun an bekomme ich wohl auch regelmäßig das "morning-briefing" von gabor steingart - der in seiner heutigen morgen-ausgabe vom cdu-showdown in kiel um die vorsitz-nachfolge berichtet ... - und da skizzierte er kurz, dass der kandidat merz bei seinem statement "auf der christlich-jüdischen tradition des abendlandes" bestand.

auch die kanzlerin und einige andere politiker(innen) benutzen gern diesen begriff von den "christlich-jüdischen werten des abendlandes"- und merken dabei gar nicht, welch einem völlig unsachlichen popanz sie da aufsitzen, der theologisch-philosophisch-historisch überhaupt nicht nachzuweisen oder auch zu halten ist.

nun - wer so spricht, meint ja heutzutage gleichzeitig zumindest die "gefühlte" ablehnung des islams als glaubens-weltbild, ohne das explizit auch so benennen zu wollen - doch gleichzeitig tut er das mit einer leider obstrusen floskel, denn eine solch apostrophierte"christlich-bindestrich-jüdische tradition"gibt es im "abendland" gar nicht - und hat es nie gegeben - dann schon eher eine jüdisch-muslimische(!) liaison über die jahrhunderte hinweg - in bestimmten gebildeten kreisen zumindest  - unter den akademischen religions-gelehrten.

ein organisierter "christlich-jüdischer dialog" wurde erst nach der shoah mit wahrscheinlich großem schlechten gewissen der christlichen seite begründet, vielleicht in der hoffnung auf irgendeine art "vergebung" - so um 1947 - und der ratsvorsitzende der evangelischen kirche bezeichnete diesen dialog nach 70 jahren 2017 immer noch als ein "zartes pflänzchen" gegenseitigen kennenlernens voneinader ... - wahrscheinlich bleibt das - so meine meinung - ein lebenslanges und epochales lernen ...

schon von anfang an war nämlich da ein wenig "der wurm drin" - um es salopp auszudrücken: jesus von nazareth war ja jude und ist auch als jude hingerichtet worden, der sich mit dem tempel-establishment in damaligen glaubensfragen in deren augen geradezu "blasphemisch" angelegt hatte - was dann mit hilfe der römischen besatzungsmacht in einem schauprozess in jerusalem abgeurteilt wurde - und mit dem tod am kreuz endete.

die hochstilisierung zu einem "christus" - und zu dem schon in den jüdischen schriften erwarteten "messias" - wurde diesem jungen rebell damals vom jüdischen establishment überhaupt nicht zuerkannt - und auch heute noch sind "juden-christen" - also juden, die an jenen jesus-"christus" glauben - eher eine minderheiten-sekte im judentum.

es war der paulus von tarsus, der zunächst als verfolger der kleinen jerusalemer jesus-gemeinde sich ur-plötzlich "bekehrt" spürte - und dann die umfassende theologie eines "christus"-jesus und seiner messianischen befreiungsrolle in schriften und briefen - also auf dem papier -  planvoll entwarf - oft im widerstreit mit der familie des tatsächlichen jesus von nazareth (besonders mit dem bruder jesu namens jakobus) aber auch mit dem "apostel" petrus, die insgesamt der kleinen übriggebliebenen jerusalemer jesus-schwestern- und bruderschaft angehörten.

paulus zog dann in missionarischer Absicht in die provinzen rund um das mittelmeer umher, und hämmerte seine theologie von diesem "christus" und dann dem von ihm gleichzeitig "erfundenen" sühneopfer jesu am kreuz - zur vergebung der sünden aller menschen -  all den suchenden ein - alle die damals einen ankerplatz für die politischen und wirtschaftlichen alltags-zustände jener antiken zeit suchten.

  • im weiteren verhältnis zwischen juden und christen sind die kreuzzüge mit den verheerenden zerstörungen und genoziden im "heiligen land" zu nennen, 
  • im mittelalter die vehemente ablehnung martin luthers aller jüdischen kultur gegenüber, die das "christliche" als das neue und das überlegene herausstellte ... - 
  • was dann schließlich im holocaust mit den millionen opfern seinen traurigen höhepunkt fand ...
das "jüdische" war bei den "christen" stets suspekt und anders und fremd - und manchmal sogar gesetzlich zum nachteil der jüdischen mitbürger geregelt (verbote, bestimmte berufe ausüben zu dürfen) - und dass man im jüdischen den gedankengängen jesu vielleicht viel näher sein konnte wurde in der regel einfach negiert.

dagegen stellten dann später die gebildeten muslimischen und jüdischen lehrer als "semitische" nachbarn oder landsleute miteinander viel eher zumindest eine viel nähere "verwandtschaft" auf intellektuell-theologischer basis dar - die sich oft auch arabisch verständigen konnten  - und wo bei den muslimen in den koran-schriften sowohl der alte jüdische "stammvater" abraham als auch der jude jesus von nazareth selbst ihren angestammten platz und eine angemessene verehrung finden... - was heute gern einfach ausgeblendet wird unter den "einfacheren" und jüngeren juden und muslimen ... - besonders auch wenn sie sich aus altem "auge um auge - zahn um zahn"-denken politisch und "rassistisch" bekriegen. 

was aber dann schon auch schwierig ist, das genetisch zu begründen: z.b. sind die palästinenser und die juden ja nachbarn auf engstem raum und genetisch oft blutsverwandt - aber stehen sich eben lediglich mit verschiedenen glaubensmäßig-politischen überzeugungen gegenüber...

und wo ist in der "gemengelage" eine "christlich-jüdische tradition" im abendland ... ???

"abrahamitische" glaubens-embleme: das von juden & muslimen gemeinsam theologisch abgelehnte "kreuz" - der davidstern und der muslimische halbmond ...



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