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moral ist - wer zuletzt lacht ...

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SS-Helfer kommt in NRW unter
USA weisen staatenlosen 95-jährigen aus – Deutschland nimmt ihn auf

Von Christian Althoff

Die USA haben einen 95 Jahre alten SS-Helfer ausgebürgert. Deutschland erklärte sich bereit, den kranken, staatenlosen Mann aufzunehmen. Seit gestern lebt er in einem Pflegeheim in Ahlen (Kreis Warendorf).


Blick in das Gefangenenlager Trawniki - Quelle: US-Justiz
Jakiw Palij stammt aus Ostpolen. Im Dritten Reich soll er Aufseher im Zwangsarbeiter- und Ausbildungslager Trawniki gewesen sein und die Aufgabe gehabt haben, Menschen an der Flucht zu hindern. In dem Lager mussten Zwangsarbeiter arbeiten, zudem bildete die SS dort »fremdvölkische Einheiten« aus, die in Polen und der Ukraine Juden umbringen sollten. Am 3. November 1943 wurden in dem Lager etwa 6000 Juden erschossen.


Bei Kriegsende war Jakiw Palij 21 Jahre alt. 1949 wanderte er in die USA aus. Er bekam 1957
Jakiw Palij - undatiertes Foto - Quelle: US-Justiz
die amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Zeichner. Allerdings hatte er angegeben, im Dritten Reich auf einem Bauernhof in Polen gearbeitet zu haben. Als die Lüge herauskam, entzog ihm ein US-Gericht 2003 die Staatsbürgerschaft. Die USA wollten Palij ausweisen, fanden aber lange kein Land, das den inzwischen Staatenlosen aufnehmen wollte. Jüdische Organisationen demonstrierten mehrfach vor seinem Haus in New York. 2003 sagte Palij der »New York Times«, die SS habe ihn abgeholt, als er 18 gewesen sei, und zur Arbeit als Wache gezwungen. Er habe nie eine Uniform getragen.


Während die USA Palij für ein Rad in der Vernichtungsmaschine der Nazis halten, fanden deutsche Staatsanwälte keinen Hinweis auf eine Beihilfe zum Mord. Sie stellten ihre Ermittlungen 2016 ein.

In den USA blieb der Fall Palij weiterhin sehr prominent. Es gab Verhandlungen auf höchster Ebene über eine Aufnahme des Mannes in Deutschland, auch Opferverbände und einzelne US-Abgeordnete intervenierten. Schließlich stimmte die Bundesregierung zu. »Damit setzt sie ein klares Zeichen der moralischen Verantwortung Deutschlands«, teilte das Innenministerium gestern mit.

Am 7. August wurde das Ausländeramt des Kreises Warendorf vom nordrhein-westfälischen Integrationsministerium überraschend angewiesen, Palij eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Das ist laut Aufenthaltsgesetz »zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland« möglich. Warendorfs Landrat Dr. Olaf Gericke ließ sich vom Land versichern, dass es für die Unterbringung und den Lebensunterhalt des 95-Jährigen aufkommen wird. Dann organisierte die Kreisverwaltung einen Platz in einem Pflegeheim. 

Eine persönliche Beziehung Jakiw Palijs zum Münsterland gibt es nicht. Aus dem Bundesinnenministerium hieß es nebulös, man habe eine Unterbringung gesucht, »die den Umständen Rechnung trägt«.


Jakiw Palij auf seiner Fahrt zum Airport - Foto: ABC News
Gestern Morgen landete eine Militärmaschine mit dem 95-Jährigen in Düsseldorf. Dann wurde Palij mit einem Krankenwagen in die Altenpflegeeinrichtung gebracht. TV-Bilder von gestern zeigten einen weißhaarigen Mann mit einem weißen Vollbart.

Das Weiße Haus teilte mit: »Die USA werden niemanden tolerieren, der NS-Verbrechen und andere Menschenrechtsverstöße un­terstützt hat, und diese Personen werden auf amerikanischem Boden keine Zuflucht finden.«

Neue Ermittlungen gegen den 95-Jährigen wird es nach Einschätzung der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg nicht geben, solange es keine neuen Beweise gibt.

WESTFALEN-BLATT Nr.194 - Mittwoch, 22.August 2018 - Seite: OSTWESTFALEN-LIPPE/NRW

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»Die USA werden niemanden tolerieren, der NS-Verbrechen und andere Menschenrechtsverstöße un­terstützt hat, und diese Personen werden auf amerikanischem Boden keine Zuflucht finden.« 
naja - diese erkenntnis hat ja fast das ganze leben des mr. palij gedauert: fast 65 jahre lebte er unbescholten in den usa - z.t. als regelrechter amerikanischer staatsbürger - und erst vor 15 jahren kam seine falsche angabe, wozu er im krieg abkommandiert wurde, ans tageslicht - und die us-bürgerschaft wurde ihm daraufhin wieder entzogen. 

da war palij aber auch schon 80 - und nun weist ihn die usa mit hehren martialischen worten aus: hier wird meines erachtens das "unrecht" eines ende des krieges 21-jährigen jungen mannes mit unmenschlichkeit "gesühnt": denn der volksmund weiß ja zu sagen: einen alten baum verpflanzt man nicht mehr - zumal mr. palij ja noch nie in deutschland gelebt hat und hierher keinerlei persönliche beziehungen hat - ich weiß gar nicht, ob er überhaupt deutsch sprechen kann ...

die staatsanwaltschaften in deutschland, in den usa - und auch der israelische mossad konnten in all den jahren nichts finden, womit an ihn unter anklage stellen konnte. und als er noch jung und erinnerungsfähig war, hat man ihn wahrscheinlich gar nicht traktiert ...

und wenn heute die "new york times" dazu die überschrift wählt: "dieser mann hat verdient, was er jetzt bekommt": so suggeriert das jetzt eine "bestrafung", einen arrest - oder sonst etwas, was in wirklichkeit nur eine "entsorgung" und abschiebung für die usa-behörden ist - und eine überproportionale belastung für deutsche behörden, was völkerrechtlich bei lage der dinge sicherlich umstritten scheint. 

wenigstens - in diesem "falle" wäre eine "verjährung" wirklich angebrachter gewesen, zumal mr. palij ja bis heute keinerlei beihilfe zu verbrechen - oder tatsächliche morde nachgewiesen werden können. auch in deutschland ist das verfahren gegen ihn schon 2006 ergebnislos eingestellt worden.

eine nachbarin berichtete jetzt laut "new york times", an warmen tagen habe sie ihn oft auf der kleinen hintertreppe sitzen sehen - "im stillen weinen"...

auch günter grass gestand viele jahre nach kriegsende ein, dass er auch der ss "gedient" hat - und blieb zu recht unbehelligt - wenn auch mit einer gehörigen moralischen schramme auf seiner ansonsten in dieser hinsicht wohl "weißen weste", zumal er sich ja auch politisch voll engagierte.

und wenn die beteiligten deutschen ministerien nun großmundig verkünden, damit ein »ein klares zeichen der moralischen verantwortung deutschlands« zu setzen - und sich in einer nacht-&-nebel-aktion an der "entsorgung" aus den usa eines 95-jährigen polnisch-stämmigen amerikaners beteiligt, der in einem teil polens geboren wurde, der heute zur ukraine gehört - und das »zur wahrung politischer interessen der bundesrepublik deutschland« - so ist es für mich fraglich, ob das eine humane und moralische geste ist - oder ob im hintergrund damit eher ein ganz anderer deal vielleicht beglichen werden muss ... 

die amerikanischen behörden jedenfalls wollten mr. palij schon seit 2004 loswerden - und verhandelten deshalb mit deutschland, polen und der ukraine. und der neue botschafter der trump-administration, richard grenell, hat nun den fall palij endlich nach 14 jahren "erfolgreich" zu ende gebracht - mit welchen penetranten mitteln auch immer... - aber grenell ist ja kein unbeschriebenes blatt mehr als botschafter - und ist schon durch einige undiplomatische ruppigkeiten aufgefallen...

die zwangs-umsiedlung eines 95-jährigen menschen als politikum hochzustilisieren oder gar als "ruhmesblatt" oder "erfolg" ist eigentlich für mich nur ein trauerspiel zu dem prozedere, wer hier in deutschland zur zeit ein "vorläufiges bleiberecht" erhält, "abgeschoben" wird, oder wo es um "familiennachzug" geht und um "green cards" etc. -

und besonders auch gegenüber den vielen eingesparten opferentschädigungen auf der "anderen seite", nämlich gegenüber den tatsächlichen holocaust- und 'euthanasie'-opfern und -zwangsarbeitern in all den jahren, die einklagteb aber zumeist abgewiesen wurden - wo man deren tod offensichtlich regelrecht herbeigesehnt hat - und der sture "moralische daumen", der weiterhin oft mit fadenscheinigen "datenschutz"-argumenten auf den archiv-aufklärungs-akten vieler dieser opfer mit ausdauer und rafinesse immer noch gehalten wird, was auch in halbstaatlichen behörden und verbänden oder auf länderebene sowie in institutionen immer noch versteckt auszumachen ist. 

so ganz nach dem motto: "jetzt muss es dann aber auch mal gut sein: ... wir haben doch jetzt soooo viele gedenkstätten geschaffen - und auch mit solchen aktionen wir um mr. palij wahrlich genug staatliche "moral" bewiesen - un gutt is" ... 

mit der "entsorgung" eines 95-jährigen ehemaligen kleinen ss-wachsoldaten lässt sich ja nun dazu nach außen publikumswirksam noch ein moralischer schlusspunkt "erhobenen hauptes" mehr setzen ...

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