WasWundersame Geschichten: Des Nachts produziert unser Geist absurde, beängstigende, lustige und rätselhafte Bilder. Traumforscher Michael Schredl erklärt, was es damit auf sich hat und räumt mit Fehlinterpretationen auf.
Träume
wirklich
bedeuten
VON ELLI BRUMMEL
Wir fliegen wie Vögel, wir reiten den Tiger, wir fallen, wir fliehen,wir werden verfolgt, wir sehen Tod und Verderben,wir feiern und lieben: Träume sind grenzenlos. Alles ist möglich. Träume sind auch rätselhaft, immer noch. Von je her beschäftigen die geistigen Bilder während des Schlafs die Menschen. Michael Schredl hat ihnen sein Berufsleben gewidmet. Der Professor aus Mannheim ist Traumforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit. Seine Erkenntnisse helfen bei der Traumdeutung.Sie räumen so manchen Irrglauben aus und beweisen Traumunterschiede zwischen den Geschlechtern, die sicher nicht alle gerne hören.
Zur Trauminhaltsanalyse schreiben Hunderte Probanden des Instituts in Mannheim ihre Träume unmittelbar nach dem Erwachen auf, entweder zu Hause, hin und wieder auch im Schlaflabor. Bei der Auswertung der Daten war das Geschlecht des Träumenden den Wissenschaftlern nicht bekannt, es kam aber dabei heraus, dass in Träumen von Männer mehr physische Gewalt vorkommt, während Frauen deutlich häufiger von Kleidung träumen", wie Schredl ausführt, ohne daraus generelle Aussagen über Frau und Mann abzuleiten. Allerdings deckt sich der Befund mit der Tatsache, dass physische Gewalt bei Männern auch im Wachzustand eine deutliche größere Rolle spielt als bei Frauen.
Ein Interpretationsklassiker der Hobbydeuter von Träumen hingegen wird vom promovierten Psychologen beiseite geräumt: Wenn wir den Tod eines nahen Angehörigen oder einer anderen Person träumen, heißt das nicht, dass wir eine Vorsehung haben und dass dieser Mensch tatsächlich bald sterben wird. Die Bedeutung hinter solchen Träumen ist viel komplexer. "Tod im Traum drückt Verlustangst aus", erklärt Schredl. Worauf sich diese dann bezieht beim Träumenden, hängt von der individuellen Lebensumständen ab.
Es gehe nicht um das konkrete Ereignis wie zum Beispiel den Tod, sondern um das dahinter stehende Gefühl. Das wird im Traum "intensiviert", wie Schredl sagt. "Unser Geist ist dabei wie ein guter Filmregisseur", erklärt der Traumforscher, "er macht aus einer Angst ein größtmögliches Drama". Es ist im Wortsinn "unser nächtliches Kopfkino", wie Schredl es mit in dem Titel eines seiner Bücher über Träume ausdrückt. Der Tod ist das maximal dramatische Sinnbild für einen Menschen, der fürchtet, allein da zu stehen oder sich von etwas trennen zu müssen.
Unser Geist ist
wie ein guter
Regisseur - er
macht aus Angst
größtmögliches
Drama."
Michael Schredl
Traumforscher
Mannheim
Das Sterbe-Beispiel verrät ein Grundmuster von Traumbildern. Bei den Projektionen geht es um den Gefühlszustand des Menschen. Ängste, Sorgen oder andere Schwierigkeiten werden im Wachzustand oftmals übertüncht oder verdrängt. Der Mensch muss funktionieren. Für die Verdrängung gibt es zahllose Strategien: Arbeiten, Sport, Konsum oder andere Ablenkungen. Im Schlaf jedoch
bahnen sich die unterschwelligen Gefühle ihren Weg,vor allem im so genannten REM-Schlaf. REM steht für "Rapid Eye Movement" und beschreibt die eher flachere Schlafphase. Geträumt wird auch während des Tiefschlafs, aber die Erinnerung an die Bilder fällt nach der REM-Phase deutlich leichter.
Träume bieten einen Blick auf den eigenen mentalen Zustand. "Sie sind wie der Wink mit dem Zaunpfahl", sagt Schredl. Denn der Geist ist offensichtlich kreativ genug, um diese Gefühle intensiv auszudrücken. Werden wir verfolgt, geht es laut Schredl um das Thema Vermeiden. Wir drücken uns im Leben vor irgend etwas, wollen vor einer Entscheidung wegrennen, uns nicht stellen. Haben wir Fallträume, steht dahinter das Gefühl von Hilflosigkeit. Es ist die Angst, eine Situation nicht bewältigen zu können und den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Träume sind außerdem voller Symbole, Tiere zum Beispiel. Traumforscher Schredl warnt jedoch davor, allzu einfache Verbindungen zwischen Gefühl und Kreatur herzustellen, wie es manche esoterisch geprägte Deuter bevorzugen. Wofür Hund, Pferd oder Löwe wirklich stehen,"hängt stark vom Verhältnis des Träumende zu diesen Tieren ab", erklärt Schredl. "Für einen Hundeliebhaber hat der Hund im Traum eine vollkommen andere Bedeutung als für einen Menschen, der Angst vor Hunden hat." Für den einen steht das Tier für Zuneigung und Liebe, für den anderen für ein Gefühl tiefer Abneigung.
Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Muster von Träumen: Sie bleiben immer noch ein Rätsel. Warum träumen wir überhaupt? Und woher kommen die Bilder? Unstrittig ist, dass sie eine Funktion haben.Sie verankern neue und alte Informationen.
"Gedächtniskonsolidierung" nennt das der Traumforscher. Auf die Frage nach der Quelle der Geistesprojektionen muss aber auch er passen. Produziert das materielle Gehirn immaterielle Träume? Das ist logisch betrachtet ausgeschlossen. Wissenschaftler Schredl sagt dazu nur ein Wort: "Magie".
Text: aus der Neuen Westfälischen - das magazin - Dienstag 24.Juli 2018 - S. 4 und 5
sooo viel neues sagt uns der traumforscher da gar nicht. mit einem satz zusammengefasst, kommt der alte lapsus: "träume sind schäume" dabei heraus.
und doch ist es vielleicht wichtig, in der eigenen traumanalyse nicht so sehr die "gegenstände" und die "personen" zu bewerten, sondern eher, für was, für welche gefühle quasi "traumsymbolisch" die einzelnen traumsequenzen stehen mit ihren jeweiligen kulissen und akteuren und welche "grundstimmung sie repräsentieren.
ich stelle in meinen träumen immer wieder fest, dass die "schauspieler" oft alte bekannte sind in immer wieder neuen rollen - die meiner seele etwas vorgaukeln - auch scheint es markante wege, straßen und gegenden zu geben, an denen ich gleich erkenne, wo ich gerade bin, was aber einer überprüfung mit der wachen tatsächlichen realität nie standhalten würde.
und den schurken gibt immer der gleiche "typ" - und die autoritätspersonen und ihre schnodderige herablassende art, wird oft von ähnlichen akteuren verkörpert, denen ich so auch im "echten leben" begegnet bin.
ich drehe den spieß manchmal um: und tagsüber, wenn ich in einem café sitze, assoziiere ich, ich sei das publikum und die echte straßenszene mit ihren kleinen überraschungen wären der tagtraum, den ich aus meinem logenplatz betrachte - manchmal äußerrst amüsiert, manchmal auch traurig - je nachdem ...
träumt schön - und achtet auf eure träume - sie haben mit euch ganz tief innen zu tun - und vielleicht auch mit überkommenen und vererbten gefühlen, ängsten und traumabewältigungen - auf denn - S!